Met Ball – Ein Kostümball im Zeichen der Kunst

Met Gala, Costume Institute Gala, Met Ball… Geliebte Kinder haben viele Namen, wie man so schön sagt. Jeden ersten Montag im Mai, und damit am 07. Mai 2018, wird der Met Ball, der die jährliche Modeausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York eröffnet, von niemand anderem als Anna Wintour Gast gegeben. Jeder Met Ball, der auch als Spendengala fungiert, hat sein eigenes Thema und es wird erwartet, dass die geladenen Gäste sich passend dazu kleiden. Das Thema dieses Jahres: „Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination“.

Heute gewähren wir erste Einblicke in die Thematik Katholizismus und Mode und werfen einen Blick in die Vergangenheit und die ikonischsten Outfits und Themen des Met Balls seit der Jahrtausendwende.
 
Anna Wintour - Gastgeberin des MET Balls
Die Gastgeberin des Abends. Foto: Ovidiu Hrubaru/Shutterstock.com

 

2018 – „Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination“

Wie der Name des Themas schon mit sich führt, dreht sich dieses Jahr alles rund um den Einfluss der katholischen Kirche auf die Welt der Mode. Ein Thema, das sicherlich viele spektakuläre und kontroverse Outfits mit sich bringen wird, aber auch Potential für politischen Sprengstoff bietet.

Anna Wintour wird auch dieses Jahr Gastgeberin des Abends sein, doch werden Amal Clooney, Donatella Versace und Rihanna als Co-Gastgeberinnen fungieren.

Donatella Versace, Anna Wintour, Amal Clooney und Rihanna als Gastgeberinnen des Met Balls 2018
Gastgeberin Anna Wintour und Co-Gastgeberinnen des Met Balls 2018 Rihanna, Amal Clooney und Donatella Versace.

 

Um die Spannung auf die Looks der geladenen Gäste etwas zu nehmen, haben wir katholisch beeinflusste Mode Revue passieren lassen. Darunter sind auch einige der Ausstellungsstücke der diesjährigen Ausstellung.

Katholizismus – Inspirationsquelle für Mode und Designer

Christliche Freskomotive, religiöse Symbole und katholische Repräsentationsfiguren beeinflussen die Laufstege der Welt. Vor Allem italienische Designer, wie Dolce & Gabbana und Versace, weisen sowohl in ihren Ready-to-Wear Kollektionen als auch deren Haute Couture Kollektionen nicht selten katholische Einflüsse auf.

Doch nicht nur die High-Fashion-Industrie profitiert von dieser reichen und kostenfreien Inspirationsquelle. Modeschmuck und Accessoires, verziert mit katholischen Elementen, prägen das moderne Modebild. Auch die Musikindustrie greift auf religiös inspirierte Outfits zurück, vor Allem bekannt dafür ist die Madonna der 80er Jahre.

Doch zurück zu den Laufstegen der Welt, denn es ist stark davon auszugehen, dass sich die Gala-Gäste und deren Veranstalter wieder in künstlerischen und ausgefallenen Haute Couture Kleidern präsentieren werden.

John Galliano für Christian Dior – Haute Couture A/W00

John Galliano sorgte im Jahr 2000 mit gleich zwei seiner Kollektionen für das Haus Dior für jede Menge Aufruhr in der Modewelt. Seiner Hobo-Kollektion im Frühjahr/Herbst, die von Obdachlosen in Paris inspiriert war, folgte im Herbst/Winter seine spektakuläre Haute Couture Show, die die Themen Katholizismus, Heirat, Unschuld und Fetischismus aufgriff. Eröffnet wurde die Show mit einer Priest ähnlichen Gestalt, die Weihrauch hin und her schwenkte und damit die Szene für das, was ihr folgen sollte, setzte.

Die Show wurde mit einem Brautpaar fortgesetzt und es folgten zunächst Models, die den Anschein der Gäste des Brautpaares machten. Langsam ging die Show in Designs, die stark von Fetischismus inspiriert waren, über. Hier hat Galliano mit starken Kontrasten gespielt.

Die Show enthielt zudem Referenzen auf ferne Kulturen und deren Umgang mit Glauben bzw. Traditionen. Eine skelettartige Gestalt, die auf den mexikanischen Día de Muerte anspielt, an dem sich die Lebenden an deren verstorbenen Verwandte und Freunde erinnern, war Teil der Show.

Das ursprünglich indigene Fest weist heutzutage katholische Einflüsse auf, doch ist im Gegenzug zum katholischen Totengedenktag, Allerseelen oder Allerheiligen genannt, farbenfroh und ein Tag der Freude, der die Verstorbenen feiert. Ob Galliano hier einen Kontrast zwischen den verschiedenen Auffassungsweisen des Gedenkens an Tote herstellen wollte, bleibt fraglich, doch kann angenommen werden.

Wir sind gespannt, ob die Outfits der diesjährigen Met Ball Gäste Referenzen zu anderen Kulturen und deren Auffassung und Einfluss des Katholizismus aufweisen werden?

Das Eröffnungsoutfit der Show, die Gallianos Interpretation eines Papstes ist, ist eines der Hauptausstellungsstücke der diesjährigen Ausstellung. Wer weitere Einblicke gewinnen möchte, sollte sich diese kurze Vorschau von Andrew Bolton, dem Kurator der Ausstellung, ansehen:

Christian Lacroix – Haute Couture Fall 2009

Das Modehaus Christian Lacroix stand 2009 vor dem Aus, doch ließ sich trotz begrenzter Ressourcen nicht davon abhalten, eine Haute Couture Kollektion zu präsentieren. Aufgrund der extrem beschränkten Nachfrage an Haute Couture Designs, können diese, im Vergleich zu Ready-to-Wear Kollektionen, schnell zu Verlusten führen. Das Modehaus zeigte damit eine Passion und Können für High Fashion, die seines Gleichen sucht.

Den Abschluss seiner Show bildete eine Braut in edlem Seidenkleid, die dem Abbild einer Heiligenfigur glich. Sie brachte dem Designer, der das Model am Ende der Vorführung auf den Laufsteg führte, Standing Ovations ein.

Auch dieses traumhafte Design wird der Öffentlichkeit, im Rahmen der Ausstellung, zur Bewunderung offen stehen.

Ob das Thema der unschuldigen, gar heiligen, Braut von den Met Ball Gästen aufgegriffen wird? Es wird sich zeigen, doch lassen die derzeitigen Bewegungen in Hollywood rund um das Thema Gleichberechtigung und der #metoo Bewegung, eine womöglich politische Anspielung auf die Thematik nicht ausschließen.

Sarah Burton für Alexander McQueen – Haute Couture Pre-Fall 2013

John Galliano und Christian Lacroix wurden mit ihren religiös inspirierten Designs von den reich verzierten und prunkvollen Roben geistlicher Figuren beeinflusst. Im Gegenzug dazu, fand Sarah Burton Inspiration von den schweren, reinen und untertriebenen Designs katholischer Repräsentanten.

Das Design drückt, statt Repression, fast adelige Eleganz aus und lässt seinen Träger stolz wirken. Vor Allem, dass die Roben dieser Art für Damen designt wurden, ist ein interessanter Twist.

Wir freuen uns zu sehen, ob das Modehaus Alexander McQueen bzw. die Designerin Sarah Burton die Wahldesignerin einiger der Met Gala Gäste wird. Der Bezug auf Religiöses ist schließlich Markenzeichen des Modehauses.

Dolce & Gabbana – Ready-to-Wear Fall 2018

Domenico Dolce und Stefano Gabbana sind Inbegriff des modernen Katholizismus: Sie stehen offen zu ihrer Homosexualität, als auch zu ihrer Religion. Man ist es gewohnt, katholische Symbole an deren Designs zu sehen. Mit ihrer diesjährigen Ready-to-Wear Show widmeten sie dem Thema eine ganze Kollektion.

Die Show wurde mit fliegenden Drohnen, von denen jede eine Handtasche des Labels und eine Hostie trug, eröffnet. Der Laufsteg glich der Oratorio de Santa Cita Kirche. So überraschten die katholisch inspirierten Designs der Modenschau nicht mehr, denn alles war perfekt in Szene gesetzt.

Dolce & Gabbana gelang es trotzdem, die Modenschau mit einem Show Stopper zu eröffnen. Das erste Model erschien in einem Print T-Shirt, auf dem der Begriff „Fashion Sinner“ gedruckt war. Der Rock trug die Aufschrift „Santa Moda“, was vom Italienischen ins Deutsche übersetzt so viel wie „Heilige Mode“ bedeutet. Außerdem war er mit der Aufschrift „Miss Sicily“ bedruckt. Dazu war das Haupt des Model mit einem schwarzen Schleier bedeckt, der an die Jungfrau Maria oder andere Heiligenabbilder erinnerte.

Der hohe Stehkragen, der unter dem T-Shirt getragenen Bluse, weist Referenzen auf ein Habit, das Gewand einer Nonne, auf und lässt den sonst lässigen Look prüde wirken.

Dolce & Gabbana hat mit dem ersten Outfit der Show eine moderne und lässige Auffassung von Religion und auch einen Bezug von Mode als Ersatz für Religion gezeigt. Interpretiert werden kann auch die Thematik von Mode und Exklusivität als Sünde.

Wir sind auch hier gespannt, ob die Met Ball Gäste dieses Thema aufgreifen.

Wer die gesamte Ready-to-Wear Kollektion AW18/19 von Dolce & Gabbana sehen möchte, um weitere Spekulationen anzustellen, kann sich hier umsehen:

 

Die unvergesslichsten Modekunstwerke und Themen des Met Balls seit der Jahrtausendwende

So, nun genug spekuliert. Im Folgenden geht es um die ikonischsten Themen und Outfits der vergangenen Jahre seit der Jahrtausendwende. Die Met Gala gibt es bereits seit über 40 Jahren und die Gala Gäste haben im Laufe der Jahre einzigartige Kostüme mit originellen Interpretationen des jeweiligen Ausstellungsthemas getragen. Insbesondere seit der Übernahme von Anna Wintour zur Jahrtausendwende, im Jahr 1999, hat sich ein neuer Trend durchgesetzt. Die traditionelle Red Carpet oder Black Tie Mode wurde durch spielerische Formen und mutige, künstlerische Designs ersetzt. Der rote Teppich der Veranstaltung macht Ästhetik zum Hauptaugenmerk.

 

2017 – „Rei Kawakubo/Comme des Garçons: Art of the In-Between“

Letztes Jahr wurde der zeitgenössische Designer, der Japaner Rei Kawakubo, gefeiert, der 1973 die Marke Commes des Garçons gründete. Heute ist er für ‚Anti-Mode‘ bekannt, worunter man dekonstruierte und künstlerische Mode versteht. Mit dieser Design Vision erklärte sich Rihanna einverstanden und zeigte sich auf dem Roten Teppich in einer fantasievollen und von Blumen inspirierten Commes des Garçons Robe.

Rihanna in Blumenkleid am Met Ball 2017
Die Fantasie geht einem mit dieser dekonstruierten Blumenkreation durch. Foto: Vogue.co.uk

 

2016 – „Manus x Machina: Fashion in an Age of Technology“

Das Thema 2016 war die Verschmelzung von Mode und Technologie. Model Gigi Hadid und Sänger Zayn Malik, gekleidet in Tommy Hilfiger und Versace, perfektionierten ihren Look rund um das Thema: Mit Roboterarmen, verchromten Nägeln und einem futuristischen Styling sahen sie aus, als seien sie der Zukunft entflohen.

Gigi Hadid und Zayn Malik am Met Ball 2016
Roboterliebe. Foto: Sky Cinema/Shutterstock.com

 

2015 – „China: Through the Looking Glass“

Eines der am meisten diskutierten Kostüme des Met Balls 2015 war das gelbe Kunstwerk der Sängerin Rihanna, das vom chinesischen Designer Guo Pei entworfen wurde. Angeblich hat er zwei Jahre lang an der Robe gearbeitet. Das Kleid fließt an Luxus über: Pelz, die lange Schleppe und Goldverzierungen strahlen Prunk aus.

Rihanna am Met Ball 2015
Ein chinesischer Traum in Gelb. Foto: Sky Cinema/Shutterstock.com

 

Die Sängerin Beyoncé hat am selben Abend „Through the Looking Glass“ wörtlich genommen und überzeugte in einem transparenten Kleid des französischen Modehauses Givenchy. Strategisch platzierte, bunte Kristalle schmückten das Kleid und machten es zu einem wahren Hingucker.

Beyoncé am Met Ball 2015
„Through the Looking Glass“. Foto: Sky Cinema/Shutterstock.com

 

Eine eher orientalische Interpretation des Themas wurde an Beyoncés Schwester Solange, die ebenso Sängerin ist, entdeckt. Solange verlieh dem imponierenden Kunstwerk von Giles einen lebendigen und futuristischen Charakter. So repräsentierte sie Chinas kulturelle Vergangenheit als auch seine Zukunft.

Solange am Met Ball 2015
Eine schöne Silhouette umgesetzt in eine traumhafte Modekreation. Foto: Sky Cinema/Shutterstock.com

 

2010 – „American Woman: Fashioning a National Identity“

Das Thema des Met Balls 2010 fokussierte sich auf die moderne, amerikanische Frau von 1890 bis 1940. Dieses Thema bewegte den Designer Zac Posen dazu, ein hellblaues Ballkleid aus Tüll für das niederländische Model Doutzen Kroes zu fertigen. Der Traum aus Tüll glich einem amerikanischen Sweatheart Dress. So bewies Zac Posen, dass man mit Mode Identität und Zugehörigkeit schaffen kann.

Doutzen Kroes am Met Ball 2010 in Zac Prosen
Ein holländisches Model in amerikanischem Design. Foto: Everett Collection/Shutterstock.com

 

2009 – „The Model As Muse: Embodying Fashion“

Der Ausdruck Muse stammt aus der griechischen Mythologie, insgesamt soll es 9 von ihnen geben und alle sind Göttinnen der Inspiration. Heutzutage wird der Begriff oft in Verbindung mit Kunst verwendet, unter anderem auch in der Mode. Eine charismatische Frau kann so zum Beispiel zur Muse oder Göttin der Inspiration für einen Designer werden. Eine der Top Musen der Modewelt ist Kate Moss. 2009 personifizierte sie das Thema des Met Balls mit einem metallfarbigen Turban und dazu passendem Göttinnen Kleid.

Kate Moss am Met Ball 2009
Muse und Designer Marc Jacobs Arm in Arm. Foto: Everett Collection/Shutterstock.com

 

2008 – „Superheroes: Fashion and Fantasy“

Die Gastgeberin des Abends, Anna Wintour, hat sich 2008 in einem funkelnden und märchenhaften Design von Karl Lagerfeld gekleidet. Viele glauben, dass Prinzessin Amidala aus den Star Wars Filmen Inspiration für das Kleid war. Was auch immer das Design inspiriert hat, es besteht kein Zweifel, dass es ein Kunstwerk ist, das Mode und Fantasie gekonnt kombiniert.

Anna Wintour am Met Ball 2008
Eine mutige und fantasievolle Wahl. Foto: Everett Collection/Shutterstock.com

 

2006 – „AngloMania: Tradition and Transgression in British Fashion“

Sarah Jessica Parker trug 2006 eine von einem schottischen Kilt inspirierte Kreation des englischen, inzwischen verstorbenen, Designers Alexander McQueen. Das gewagte Design verband klassischen Tüll und Spitze mit dem altehrwürdigen Tartan Muster der Schotten. Die Unstimmigkeit der verwendeten Materialien verwirklichte das Thema, und zwar auf den Punkt gebracht. Die modernen Stoffe, die Bezüge zur englischen Oberschicht herstellen, scheinen geradezu unter dem altehrwürdigen und traditionsreichen Tartan herausplatzen zu wollen.

Sarah Jessica Parker am Met Ball 2006
Verschiedene Inbegriffe britischer Tradition in einem Kleid vereint. Foto: Everett Collection/Shutterstock.com

 

2005 – „The House of Chanel“

2005 wurde das Modehaus Chanel gefeiert. Diesem Thema zahlte das tschechische Model Karolina Kurkova mit den Worten „I love you“ auf dem Rock ihres Kleides stilvoll Tribut. Das einzigartige Design, das dem Kleid einer griechischen Göttin und gleichzeitig einer luxuriösen Bettdecke glich, wurde von dem holländischen Designerduo Viktor & Rolf entworfen.

Karolina Kurkova am Met Ball 2005
Eine Liebeserklärung – Buchstäblich. Foto: Everett Collection/Shutterstock.com

 

2004 – „Dangerous Liaisons: Fashion and Furniture in the 18th Century“

Eines der schlichteren Kleider, das heute als ikonisches Met Ball Kleid gilt, ist das gelbe Kleid von Scarlett Johansson von Calvin Klein. Die ölige Seide, deren schönen Drapierungen elegant auf die Kurven der Schauspielerin fallen, passte perfekt zum Thema. Sowohl Mode als auch Möbeldesign erfreuen sich der Verwendung von exklusiven Materialien.

Scarlet Johansson am Met Ball 2004
Ein zurückhaltendes Kleid, das Luxus ausstrahlt. Everett Collection/Shutterstock.com

 

Met Ball 2018 – Es bleibt spannend

So, das war er, unser Aus- und Rückblick in den glamourösen Met Ball. Wir warten gespannt darauf, welche weiteren Ankündigungen über die nächsten Wochen hin gemacht werden und natürlich darauf, worin sich die Met Ball Gäste dieses Jahr zeigen werden.

Habt ihr schon Spekulationen angestellt? Wir freuen uns von euch zu hören!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.